Ein analoges Onlinewahlverfahren

Na, ihr wollt es doch auch. Ihr wollt endlich eure Stimme per Klick abgeben können. Und dann kommen diese ganzen Technikfuzzis und machen das alles kaputt, weil das über das Internet nunmal nicht anonym, geheim und nachvollziehbar geht. Ich mache mir deshalb darüber schon lange einige Gedanken und ich glaube, eine Lösung gefunden zu haben.

Die Lösung ist zwar nur teilweise digital, aber digital genug, um eine Verbesserung zu bringen.

Ich präsentiere hiermit als: Onlinevoting over Paper!

Der Prozess:

  1. Ein neuer Wahlzyklus wird eröffnet
  2. Nutzer stellen Anträge online/Kandidaten stellen sich auf
  3. Antragsliste/Kandidatenliste wird geschlossen
  4. Nach ausreichend langer Diskussionszeit wird Abstimmung/Wahl abgehalten
  5. Benutzer lädt sich dazu Abstimmungsliste in ein Abstimmprogramm
    1. Benutzer stimmt im Programm ab (die Abstimmergebnisse werden nur lokal gespeichert)
    2. Programm generiert eindeutigen Key
    3. Programm kodiert Key und Abstimmungsergebnisse in ein optisch-maschinenlesbares Format (vgl. QR-Code)
    4. Benutzer druckt optisch-maschinenlesbares Format aus
  6. Lokales Wahllokal öffnet (bspw. im Kreis)
  7. Benutzer wirft seinen Ausdruck in die Urne
  8. lokaler Wahlleiter vermerkt, dass Benutzer zur Wahl kam
  9. Wahllokal wird geschlossen
  10. Die Urne wir geöffnet
    1. die Stimmen in der Urne werden gezählt und mit der Liste derer abgeglichen, die abgestimmt haben (öffentlich!)
    2. im Besten fall werden Stimmen vor Ort eingescannt (öffentlich!)
    3. andernfalls werden Stimmen an nächst-höheres Wahllokal zum Einscannen geschickt (öffentlich!)
  11. Eingescannte (und dekodierte) Stimmen werden zusammengezählt und vollständig veröffentlicht
  12. Die Abstimmung/Wahl ist mit der Veröffentlichung des Ergebnisses beendet.

Das Verfahren erinnert ein wenig an eine richtige Wahl, mit dem Unterschied, dass man seine Stimme mitbringt und sich vorher in Ruhe mit jedem Thema befassen konnte.

Nachvollziehbarkeit

Das Verfahren ist nachvollziehbar. Da kein Prozess eine Verschlüsselung benutzt und es im Prinzip nur eine Abstimmliste ist, die man abgibt.

Außerdem kann man anhand des generierten Codes am Ende nachschauen, ob die eigene Stimme gezählt wurde und vor allem, ob sie richtig gezählt wurde.

Anonymität

Das Verfahren ist anonym, da es keine direkte Verknüpfung zwischen Stimme und Stimmabgeber gibt. (Außer natürlich es ist nur eine Stimme in der Wahlurne. Wobei dann davon auszugehen ist, dass die vom Wahlleiter stammt... ;)

Geheim

Das Verfahren ist offensichtlich so geheim, wie eine normale Wahl. Für die Geheimhaltung des Keys ist der Stimmabgeber jedoch selber verantwortlich. Es ist jedoch nicht möglich jede Stimme jedem Stimmabgeber zuzuordnen, außer man kompromitiert alle Computer.

Teilhabe von Menschen ohne Computer oder Internet

Auch die können teilnehmen, müssen sich eben einen Computer ausleihen. Die Internetverbindung wird nur gebraucht, um die Liste der Abstimmmöglichkeiten zu laden. Prinzipiell kann diese aber auch über einen USB-Stick oder eine CD (Ressourcenverschwendung!) ausgetauscht werden.

Fälschungssicherheit

Ganz fälschungssicher ist das Verfahren trotzdem nicht. Stimmen weglassen oder hinzufügen wird schwierig, solange der lokale Wahlleiter integer ist, da die Anzahl der Stimmen vermerkt ist. Stimmen austauschen ist möglich, das soll die öffentliche "Auszählung" aber abmildern.

Mögliche Probleme

Das Verfahren ist prinzipiell trollbar, in dem ein Abstimmer am Ende behauptet, dass seine Stimme nicht gezählt wurde. Beweise zu führen wird hierbei jedoch schwierig, außer es beschweren sich mehr, als x% an Leuten. Ab einer Beschwerdequote von x% könnte eine lokale Neuabstimmung erforderlich sein. (Das erlaubt übrigens unser aktuelles Wahlverfahren nur in ganz wenigen Fällen!).

Um das Ganze noch ein wenig abzumildern wäre es möglich erst die Liste der eindeutigen Keys zu veröffentlichen, damit jeder prüfen kann, ob seine Stimme dabei ist, um dann sieben Tage (einfach mal angesetzt) später das eigentliche Ergebniss zu verkünden. Wenn jemand Einspruch erhebt, kann so eine Nachwahl durchgeführt werden nachgewählt werden, ohne die Stimmverfälschung durch Veröffentlichung der Stimmen zu riskieren.

Hacken

Ich habe an dem Verfahren lange herumgedacht und was ich oben an Problemen aufgeführt ist, ist mir alles eingefallen. Wer mehr Probleme findet, immer her damit!

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